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Donnerstag, 07. März 2019 Sprache ist wesentlicher Schlüssel zur Integration

Troisdorf, 13. Februar 2019: „Sprache ist eine wesentliche Grundlage, um Menschen mit Migrations-Hintergrund erfolgreich zu integrieren“, sagt Heinz Palkoska, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Kunststoff (IGK) vor Teilnehmern einer italienischen Delegation in Troisdorf. Zur Informationsreise eingeladen hatte des Goethe-Institut Rom Vertreter aus Palermo/Sizilien, Apulien und Neapel, die sich in Hamburg, Troisdorf und Bonn über die Integrationsmöglichkeiten und Qualifizierungsmaßahmen von Menschen mit Migrationshintergrund und jungen Flüchtlingen informierten.

Sprache ist wesentlicher Schlüssel zur Integration

Das Fachbuch mit den arabischen Übersetzungen hilft Homan Keschtgar, Khaled Habba, Alaa Aldaibis und Moustafa Hasan ganz enorm (v.l.n.r.) 
(Foto: Rainer Hardtke/IGK)

Die italienischen Teilnehmer betreuen in ihrem Heimatland zumeist Dachorganisationen, die sich um die Integration und berufliche Weiterbildung dortiger Flüchtlinge bemüht. Sehr interessiert zeigten sich die Besucher am dualen Ausbildungs-System in Deutschland, deren Inhalten und Finanzierungsgrundlagen. Palkoska stellte die IGK als Zusammenschluss von 43 Kunststoff-Unternehmen der Region vor, der insgesamt 2.500 Mitarbeiter beschäftige und etwa 350 Millionen Euro Umsatz pro Jahr erziele. Um dem Fachkräftemangel konstruktiv zu begegnen und die Defizite kleinerer Unternehmen aufzunehmen, führt die IGK für ihre Mitgliedsunternehmen eine Verbundausbildung durch, auch in Rotation bei mehreren Unternehmen. Alle Azubis erhalten zusätzlich während der drei- bzw. dreieinhalbjährigen Ausbildung eine mindestens siebenmonatige „überbetriebliche Ausbildung“ in der IGK-Bildungs-Akademie, wodurch die „Duale Ausbildung (Schule und Betrieb)“ um eine dritte Komponente ergänzt und erweitert werde. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten alle Azubis ein Übernahmeangebot in ein festes, unbefristetes Arbeitsverhältnis bei einem der Mitgliedsunternehmen, im Fachkräftepool der IGK oder beim Kooperationspartner START-NRW.Dasselbe System wird in Kooperation mit TERTIA auch bei der beruflichen Qualifizierung von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund angewendet. Unterschied: Hier wird zusätzlich besonderes Augenmerk auf die sprachliche Grund-Qualifizierung gelegt: „Wir bauen zunächst die sprachlichen Hürden ab und können dann in den eigentlichen Stoff einsteigen“, erläutert Palkoska. Dem stimmen drei anwesende Lehrgangsteilnehmer eifrig zu: Kacem Mohammad, Homan Keschtgar und Alaa Aldaibis sprechen nahezu akzentfreies Deutsch. Für Homan Keschtgar ist es sogar eine neue berufliche Perspektive. Der studierte Agrar-Ingenieur fand zunächst keine passende Stelle in Deutschland: „Ich habe 70 Bewerbungen geschrieben, aber immer hörte ich, dass ich überqualifiziert sei. Nun arbeite ich beim IGK-Mitgliedsunternehmen Hoka in Hennef (Hersteller von Lüftungsformteilen und Lüftungsanlagen) und absolviere bei der IGK eine neue Ausbildung. Vielleicht bringt mich das eines Tages in die Situation, dass ich meinen alten Beruf mit dem neuen kombinieren kann?“ 
Heinz Palkoska betont, dass die IGK eine aktive Kooperation sei, ständige Treffen von Arbeitsgruppen, gemeinsame Projekte und ein Fachkräftepool innerhalb des Netzwerkes helfen kurzfristige Defizite abzubauen und gemeinsame Stärken weiter zu entwickeln. „Früher geschah dieses für Außenstehende unsichtbar innerhalb großer Unternehmen. Heute leisten wir diese Aufgabe für kleine und mittelständische Unternehmen und schaffen so einen Wettbewerbsvorteil für die Mitglieder“, betont Palkoska. Im abschließenden Rundgang durch die Lehrwerkstatt der IGK-Akademie an der Josef-Kitz-Straße im Troisdorfer Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte informierten sich die Delegationsteilnehmer direkt – über die sehr gefragte Dolmetscherin - bei den anwesenden Azubis. Dabei durfte, wer wollte, auch selbst Hand anlegen und mit einer Art Lötkolben, aus dem heiße Luft austrat, ein Stück Kunststoff schweißen – in der Fachsprache: „Warmgas-Ziehschweißen“. Große Beachtung fand ein besonderes Fachbuch, das deutsche Spezialbegriffe erläuterte und zusätzlich eine arabische Übersetzung liefert. Damit keine Missverständnisse entstehen.

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